Qui Nyugen ist neuer Poker-Champion

Pokerweltmeisterschaft

Jedes Jahr im Juni und Anfang Juli sind die Augen der Pokerwelt auf Las Vegas gerichtet, wo in einer Serie von Turnieren die Pokerweltmeisterschaften ausgetragen werden. Der wichtigste Event ist dabei der „Main Event“ – wer den gewinnt, der gilt als der amtierende Weltmeister. Bei Teilnehmerzahlen von mehreren tausend Spielern und einem Buy In von 10.000 Dollar wird der Weltmeister auch noch Multimillionär.

Der Main Event ist legendär – als in den 90-er Jahren ein damals unbekannter Online Qualifikant, mit dem sinnigen Namen Chris Moneymaker, die Weltmeisterschaft gewann, begann der Online Poker Boom in den USA. Und in Amerika wird der Main Event stark medial begleitet. Das hat dazu geführt, dass seit einigen Jahren der Weltmeister erst Monate später – im November gekürt wird. Denn der letzte und entscheidende Tische, der Final Table, startet erst mit Verzögerung. So erhalten die letzten neun Spieler, die „November Nine“ die Gelegenheit sich vorzubereiten (und sich auch entsprechend zu vermarkten) und dem Fernsehpublikum können die Spieler genauer vorgestellt werden. Denn die sind meist eher unbekannt. Was sie gemeinsam haben, ist dass sie Millionäre sind. Denn auch für den neunten Platz gibt es schon über eine Million Dollar an Preisgeld.

So auch beim diesjährigen Tisch: mit Cliff Josephy war zwar eine online-Legende (er spielt dort unter dem Namen JonnyBax) am Tisch, aber insgesamt waren es doch neun für die Masse unbekannte Namen. Das hat sich jetzt geändert, denn vergangene Woche spielten die Finalisten den Weltmeistertitel aus. Das Ganze fast live, denn die Hände wurden zwar zeitversetzt, aber doch wie Live übertragen. Live geht natürlich nicht, weil das Missbrauch Tür und Tor öffnen würde.

Ich habe persönlich ja zu JonnyBax gehalten: früher, als ich noch viel Poker gespielt habe, war ich auf dem Two+Two Pokerforum aktiv und da hat man viel vom Amerikaner gelesen. Aber das sollte nicht sein. Denn Josephy schaffte es unter die letzten drei, aber für den Sieg reichte es nicht. Dominiert haben heuer übrigens die Amerikaner, der beste Europäer, Vojech Ruzicka bluffte sich als fünfter aus dem Rennen.

Josephy rutschte am letzten Tag des Turniers im Dreikampf relativ rasch aus. Erst konnte er seinen Chip-Stand verdoppeln, aber dann verlor er einen großen Pott und war in wenigen Händen weg. Was folgte war ein sehr spannendes Heads-Up zwischen Qui Nyugen (gibt als Beruf Baccarat Profi an) und Gordon Vayo. Dabei zeigte Nguyen das man mit gutem Heads-Up Spiel am Ende einfach die besseren Karten hat. Vayo spielte viel zu passiv und konnte nur dank Glück über 180 Hände lang bestehen. Am Ende verlor er aber. Der neue Pokerweltmeister ist Qui Nyugen, der über acht Million Dollar kassierte.

Auf www.pokernews.com kann man übrigens viele Video-Ausschnitte und die entscheidenden Hände nachschauen, das lohnt sich auf jeden Fall.

Der ganz große Gewinner ist aber das amerikanische Finanzamt. Denn in den USA sind Glücksspielgewinne steuerpflichtig. In einem Artikel auf Pokerfirma kann man genau sehen, welcher Spieler wie viele steuern abdrücken muss. So muss Nyugen über 3,3 Millionen Dollar Steuern zahlen. Netto gewonnen hat hingegen der Belgier Kenny Hallaert seine 1,4 Millionen dollar. Denn in Belgien sind, wie in Deutschland und Österreich, Glücksspielgewinne und auch Pokergewinne steuerfrei. Zumindest noch. Der Staat sucht ja immer Einnahmequellen.