Judgement Day: Maschinen schlagen Menschen beim Poker

artificial intelligence bot

Jeder kennt die Terminator Filmreihe: aus einer Welt in der die Computer bzw. Roboter die Herrschaft übernommen haben, werden Menschen und Roboter zurückgeschickt um den Lauf der Geschichte zu verändern. Der zweite Teil, „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ heißt auf Englisch „Terminator2: Judgement Day“ – denn der Tag an dem die Maschinen die Macht übernehmen wird hier als Judgement Day, also Jüngstes Gericht, bezeichnet.

Und ich gebe zu, ich musste an den Film denken, während ich ein ganz neuartiges Pokerturnier verfolgt habe, wie vier Poker Profis gegen das Computer-Programm Libratus Poker gespielt haben: denn der Libratus Poker Bot stellt die vielen Programme die es zuvor gab in den Schatten und schlug die vier Profis über 120.000 Hände, also eine Zahl, die nicht nur mit Zufall übertitelt werden kann, vernichtend.

Dong Kim, Jason Les, Jimmy Chou und Daniel McAuley sind alles Heads-Up No Limit Poker Spezialisten – sie gehören zur absoluten Weltspitze. Und genau in diesem Spiel spielten Sie gegen Libratus. Das Programm wurde an einer Universität in Pittsburgh entwickelt. Im Jänner spielten die vier Profis 19 Tage lang gegen den Computer – insgesamt 120.000 Hände. Und um den Zufall weiter zu verkleinern, wurden die Hände gespiegelt: wenn Libratus an einem Tisch ein Paar Asse erhielt und der menschliche Gegner ein Paar König, dann war das an einem anderen Tisch genau umgekehrt. Und im Falle eines All Ins vor dem River (also der letzten Karte) wurde die Hand nicht ausgespielt, sondern die Gewinne anteilig an der Gewinnerwartung ausgeschüttet. Das sind zwei künstliche Regeln, die aber dazu dienen, das Experiment weniger zufällig zu machen: Experten schätzen die Duelle jedenfalls als signifikant ein. Hier können Sie die richtigen Poker Regeln finden. 

Das Ergebnis des Experiments dürfte für die menschlichen Spieler mehr als nur ernüchternd sein. Der Bot gewann im Schnitt 14,7 Big Blinds auf 100 HändeDong Kim der am besten abschnitt verlor 2,85 BB auf 100 Hände, Jason Les verlor erschreckende 29,34 BB pro 100 Hände: Ergebnisse bei denen die Bankroll der Spieler schnell leer wäre. Zum Glück für die Pros ging es nur um Spielgeld.

10 Millionen Dollar Computer

Libratus ist dabei im Endeffekt nur ein Programm, dass mit einer gigantischen Strategie-Sammlung gefüllt wurde. Dabei wendet der Bot immer wieder andere Strategien an, um nicht berechenbar zu werden. Libratus kennt quasi alle Poker Strategien und deren Stärken und Schwächen. Geschrieben und entwickelt wurde Libratus am Supercomputer Bridges, der fast 10 Millionen Euro kostet und etwa 30.000 Mal schneller ist, als ein normaler Computer. Libratus hat, bevor er gegen die Menschen angetreten ist, Milliarden Hände gegen sich selber gespielt und dabei seine Strategien verfeinert. Dabei hat das Programm dazu gelernt – eine Künstliche Intelligenz (engl. AI – Artifical Intelligence) kam also zum Einsatz.

Das Experiment ist noch nicht alltagstauglich: Libratus war während des Spiels laufend mit dem Supercomputer Bridges verbunden. Im Online Poker Raum wird man nicht auf einen derartig starken Bot treffen. Aber Bots gibt es bereits, auch wenn das die Casinos unterbinden wollen.

Und Heads Up ist weniger komplex als Poker mit neun Spielern – aber dennoch könnte es weitgehende Auswirkungen auf die Welt des Pokers haben und damit eine Wende in den Online Casinos herbeiführen: reine Glücksspiele werden nämlich wieder attraktiver

Darauf werde ich kommende Woche vertiefend eingehen – und auch zeigen, welche Bots bereits Poker spielen und möglicherweise Ihnen gegenüber sitzen.