Pokern gegen Computer

Libratus poker AI

Vergangene Woche habe ich mich ausführlich mit dem Libratus beschäftigt. Einem Computerprogramm, das Poker spielt – im Fachjargon „Poker-Bot“ – also Poker Roboter genannt. Libratus hat bei Heads Up No Limit Hold’em eine ganze Reihe namhafter Heads-Up Profis nicht nur geschlagen, sondern sogar komplett an die Wand gespielt. Eine bedrohliche Entwicklung für Online Poker, denn wer weiß schon, wer einem am Computer gegenüber sitzt. Und diese Woche haben die Libratus-Entwickler auch schon angekündigt, dass nichts dagegen spreche, dass Libratus auch bei 6-max, also bei Spielen mit bis zu sechs Personen am Tisch, gewinnen könne. Und zudem sei der Bot noch lange nicht perfekt. Bedeutet dass das Aus für Online Poker?

Aber Libratus ist ein High-Tech Bot, dessen Entwicklung an Millionen Dollar Computer erfolgt ist. Es gibt aber auch günstiger entwickelte Bots, die bereits heute in Online Poker-Räumem agieren. Das wissen wir, weil immer wieder Bots auffliegen. Denn es ist natürlich illegal, dass ein Computer-Programm online Poker gegen Menschen spielt. Die Spieler mögen das nicht und auch für die Poker Betreiber ist das keine gute Entwicklung. Denn ein erfolgreicher Bot saugt das Geld wie ein Staubsauger ab. Und er macht keine Fehler, weil er mal betrunken spielt oder ähnliches. Also würde das Geld in eine Richtung laufen und schwächere Spieler aus den Räumen gedrängt. Diese sind es aber, die mit weiteren Einzahlungen, dafür sorgen, dass immer genügend Geld zirkuliert. Und das Zirkulieren ist die Einnahme-Quelle der Online Poker Anbieter, da sie ja Turniergebühren oder Rake (einen Anteil an den Einsätzen) beim Cash Game kassieren. Das sagen zumindest viele.
Andrew, ein amerikanischer Geschäftsmann und Pokerspieler meinte dem widersprechend zuletzt, dass die Poker Räume kein all zu großes Problem mit Poker Bots hätten. Sie seien wie Poker Profis – Spieler würden schnell erkennen, dass jemand überdurchschnittliche gut spiele und ihn dann meiden. Aber wieso sollte in einem Bot-Ring nicht mehrere Accounts angelegt werden, hinter denen eine ganze Gruppe an Menschen spielt. Und schwache Spieler mögen vielleicht den Nervenkitzel mit einem bekannten Spieler zu zocken, gegen einen Super-Computer möchte man aber wohl eher nicht antreten. Poker Pro Brian Rast glaubt, dass jedenfalls immer Bots durch das Sicherheitssystem rutschen werden.

Dafür spricht einiges: in der Vergangenheit sind immer wieder Bot-Netzwerke aufgeflogen. Auf Poker-Stars etwa 2015, damals wurde mit Computerunterstützung Omaha von einer Gruppe gespielt: der Schaden für andere Mitspieler betrug über 1,5 Millionen Dollar.

Was kann ich tun?

Ich sehe ein wenig schwarz für die Zukunft des online Poker. Es wird wohl mehr wie ein Live Dealer Casino werden müssen, echte Spieler die via Video-Screen gegenüber sitzen und so klar als Menschen ersichtlich sind. Aber auch dabei ist elektronische Unterstützung möglich.
Aktuell sollte man einige Dinge beachten: wer Heads Up Poker spielt ist am meisten in Gefahr – je mehr Mitspieler, desto schwerer für den Bot. Cash Games gegen immer gleiche Gegner sind gefährlicher, als Turniere mit wechselnden Gegnern. Und No Limit ist immer besser, weil für Computer schwerer einzuschätzen, als Limit oder Fixed Limit. Das sollte man im Hinterkopf behalten. Und Spieler, gegen die man immer verliert, sollte man beim Cash Game überhaupt meiden: benutzt die Notizen und verlasst den Tisch, wenn jemand kommt, der euch nicht liegt.

Noch spielen vor allem Spieler gegen Spieler – zu viel Angst müsst ihr noch nicht haben. Aber haltet die Augen offen und lest weiter hier mit. Ich bleibe am Thema dran.